Wolfgang Packeisen, ADP Investment Management AG
Wirklich sensationelle Nachrichten gibt es nicht, denn:
• die EU-Finanzminister bügeln weiter die letzte Falten aus dem Rettungskleid für Europa
• IBM und Apple bestätigen mit Rekord-Krachern beim Quartals-Gewinn, dass die Profit-Explosion nicht mehr länger vom „cost-cutting“ getrieben wird, sondern vom Umsatz (robuste Nachfrage) und hier insbesondere Investitionen statt Konsum (wichtig für den Arbeitsmarkt)
• die “Geo-Politik” sinniert darüber, ob steigende (Nahrungsmittel- und Rohstoff-) Preise nur ein Katalysator oder der Auslöser für die sozialen Unruhen in Afrika sind, was Konsequenzen für Asien und Latain-Amerika hätte, denn es geht ultimativ um die Frage, wie viel Schuld die expansive GEO-Geldpolitik der Industrie-Nationen daran trägt (globale Inflations-Schleuder), weshalb die akzidentelle Gewinn-Orgie an Wall-Street irgendwann anrüchig wird . Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in den USA wird zum gefährlichen Stolperstein der Politik, nachdem führende US-Senatoren und ein aktiver Fed-Gouverneur plötzlich fordern, die Macht der Fed per Gesetz zu kastrieren.
• Russland will jetzt genau wie Japan und China EU-Staatsanleihen kaufen (typisches ich-auch Syndrom). Man fragt sich ernsthaft, wie ein Käuferstreik der Privat-Investoren (Fonds, Versicherer) gegen die geo-politischen Taschen der Überschuss-Länder erfolgreich sein will.
PS: Diese Grafik zeigt, wie viel Prozent der jeweiligen Steuereinnahmen für Zinsen draufgehen, weshalb die EU einen Weg finden wird und muss, wie die Refinanzierungs-Kosten der Schuldner drastisch gesenkt werden können. Faktisch sind das gigantische Transfer-Leistungen vom Staat an die Privatwirtschaft (Gewinn-Ankurbelungs-Programm für Banken).
Kostenprüfung prägt Debatte um stärkeres Euro-Rettungsnetz
Die Finanzminister der Euro-Zone haben sich dafür ausgesprochen, das Sicherheitsnetz für überschuldete Mitgliedsländer zu stärken. Bei ihrem Treffen in Brüssel signalisierten sie am Montagabend, erst einmal gebe es bezüglich weiterer Maßnahmen keinen dringenden Handlungsbedarf. “Wir werden unsere bestehenden Finanzhilfen verbessern, sodass die so genannten Kräfte des Marktes nicht den geringsten Zweifel an unserer Fähigkeit haben, selbst in den angespanntesten Szenarios zu handeln”, sagte EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn Reportern. Deutschland, Frankreich und vier weitere Länder mit “AAA”-Bonitätsrating erörtern Wege, um das volle Potenzial des €750 Mrd Rettungsschirms auszuschöpfen, ohne neues Geld als Sicherheit bereitzustellen. Den Umfang des Fonds auszuweiten wurde zunächst ausgeschlossen.
Der anziehende Euro, Zeichen für eine Konjunkturbelebung in der Region und die erfolgreichen Bondauktionen in Portugal, Spanien und Italien haben der EU Zeit verschafft, um die Maßnahmen gegen eine Ausweitung der Schuldenkrise zu verstärken um zu verhindern, dass diese den Euro nachhaltig beschädigt. Laut Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble gibt es eine Menge zu diskutieren, wenig mitzuteilen und noch weniger zu spekulieren.
Experten prüften, ob eine Erhöhung der Garantien das Spitzenbonitätsrating in Gefahr bringen würde. Die Notwendigkeit eines Kapitalpuffers, um das “AAA“-Rating zu untermauern, senkt die Kreditkapazität des wichtigsten Rettungsfonds auf rund €250 Mrd. vom theoretischen Maximum von €440 Mrd. “Wenn es nötig wird, wird es da sein”, sagte der niederländische Finanzminister Jan Kees de Jager. Die Zustimmung der Niederlande gebe es aber nur für ein umfassendes Paket. Österreichs Finanzminister Josef Pröll erklärte, das Ziel sei, die Verteidigung des Euro auszubauen, ohne die Partner zu stark zu belasten.
Irland drängt auf ein neues Maßnahmenpaket, um die mittlere Zinsbelastung von 5,8% zu senken. Der Satz liegt etwa 300 Basispunkte höher als die EU-Zinskosten. Der Aufschlag kam auf Druck Deutschlands zustande und soll dazu dienen, dass die EU- Hilfen nur als letztes Mittel in Anspruch genommen werden. EU- Politiker halten einen Aufschlag von 50 bis 100 Basispunkten für angemessener, wie es aus informierten Kreisen hieß. “Wir beginnen jetzt mit Diskussionen, wie es beim Zins Verbesserungen geben kann”, sagte Irlands Finanzminister Brian Lenihan.
Deutsche Bank - Institut will erster Ansprechpartner für Probleme infolge der Schuldenkrise sein - Rat zum Risikomanagement wird wichtiger.
Die Deutsche Bank stellt sich im laufenden Jahr ungeachtet volatiler Märkte auf einen wachsenden Corporate-Finance-Markt in Europa ein, wie Stephan Leithner, Co-Head of Investment Banking Coverage & Advisory erklärt. Der deutsche Marktführer will seinen Fokus verstärkt auf Beratungsdienstleistungen etwa hinsichtlich des Managements von Währungsrisiken legen. Auch soll sich das Institut als erster Ansprechpartner für sich aus der Schuldenkrise ergebende Probleme positionieren. Die Komplexität Europas betrachtet Leithner als eine "einmalige Chance".
Unter den ersten fünf: Auch wenn sich die Bank wenige Tage vor der für den 3. Februar angesetzten Bilanzpressekonferenz nicht dezidiert zu ihren Ergebnissen im Corporate-Finance-Geschäft äußert - das vergangene Jahr darf als Erfolg verbucht werden. Was die Nettoerträge aus dem globalen Investment-Banking-Geschäft angeht, hat die Deutsche Bank im vergangenen Jahr Citigroup und Credit Suisse überholt und ist unter die weltweit ersten fünf Adressen vorgestoßen. In den vergangenen drei Jahren hat sie dabei auch gegenüber den größten vier Banken J.P. Morgan, Bank of America Merrill Lynch, Goldman Sachs und Morgan Stanley erkennbar aufgeholt.
Die Volatilität bleibt: Leithner erwartet im laufenden Jahr "ein weiterhin volatiles Marktumfeld". Dies bedeute, dass Risikomanagement für Unternehmen weiter an Bedeutung gewinnen werde. Ein Schwerpunkt für dieses Jahr sei daher, mit Kunden genügend Zeit auf das strategische Risikomanagement zu verwenden. Angesichts der Volatilität auf den Märkten werde diese Dienstleistung eine ganz andere Bedeutung gewinnen, glaubt er. Wer nachhaltig wachsen wolle, für den führe kein Weg daran vorbei, darauf einen Schwerpunkt zu legen.
Für Ratschläge zum Risikomanagement gibt es zwar keine Beratungsgebühr wie bei Übernahmen oder Börsengängen, auch schlagen sie sich nicht in den Rennlisten nieder. Setzt der Kunde sie um, wickelt er seine Volumina in der Regel aber über die Bank ab, die ihn beraten hat, etwa bei der Absicherung von Devisenrisiken. Leithner: "Aufgrund der hohen Volatilität im Euro-Dollar-Kurs denken Unternehmen anders über die Frage nach, inwieweit sie Risiken absichern sollen. Historisch hat man 30 bis 35 % abgesichert, heute sprechen Unternehmen von über 50 bis 55 %."
Der Markt soll wachsen: Prinzipiell hemmt eine hohe Volatilität zwar Corporate-Finance-Aktivitäten, etwa bei Fusionen und Übernahmen. Leithner aber glaubt trotzdem daran, dass der Markt zumindest in Europa 2011 zulegen wird. Mit einem Volumen von 10 Mrd. Euro an erzielbaren Einnahmen habe der Markt 2010 deutlich unter seinem langfristigen Durchschnitt gelegen, rechnet er vor. Schon wegen dieses Basiseffekts sollte das Volumen 2011 zulegen, vermutlich auf 12 Mrd. bis 13 Mrd. Euro. Zudem hätten sich Unternehmen weltweit auf das volatile Umfeld eingestellt. So tätigten Großkonzerne Akquisitionen, die sie gut verarbeiten könnten, in einem Wert von bis zu einem Zehntel ihres Börsenwerts, was in der Regel gleichwohl noch immer Volumina zwischen 3 Mrd. und 5 Mrd. Euro bedeute. Leithner: "Vor zehn Jahren galt ein solches Volumen noch als sehr groß."
Ausblick ungewiss: Ein Grund für den ungewissen Ausblick dürfte sein, dass die DB derzeit gar nicht so viele Kredite vergeben kann, wie sie es gerne würde. "Der Glaube, dass der massive Aufschwung verbunden ist mit einer aktuell großen Kreditnachfrage, geht fehl", sagt Leithner. "Weder investieren Unternehmen zurzeit in neue Produktionsstätten - sie haben mit Ausnahme von einigen sehr zyklischen Bereichen im Gegenteil noch unausgelastete Kapazitäten -, noch brauchen Unternehmen frische Mittel beim Betriebskapital, denn durch die stark anziehende Konjunktur haben Unternehmen einen extrem hohen Cash-flow", spielt er darauf an, dass Unternehmenskunden nach Aufträgen erst einmal Anzahlungen erhalten. Leithner: "Wir wollen auch im Mittelstand beim Kreditgeschäft weiter wachsen, aber es fehlt die Nachfrage."
Für die Bank ist dies umso schmerzlicher, da sie dem Heimatmarkt eine herausragende Rolle zuschreibt. Erst Mitte vergangener Woche war bekannt geworden, dass die Gesellschaft ihre Bereiche Corporate Finance, Markets und Transaction Banking in Deutschland mit einem neuen Leitungsgremium stärker zusammenführt. Der Ausbau der Marktführerschaft in Deutschland sei von entscheidender Bedeutung für den Erfolg des Corporate & Investmentbank-Geschäfts, hieß es zur Begründung dieses Schritts, der einer ähnlichen Neuordnung auf globaler Ebene folgt. Leithner sitzt sowohl im nationalen als auch im globalen Leitungsgremium.
Besser als in Deutschland, wo die Deutsche Bank auf einen Marktanteil von 20 % kommt, scheint es dagegen im europäischen Ausland zu laufen. In Frankreich, den Benelux-Staaten, Spanien sowie Italien habe man Kunden und Marktanteile hinzugewonnen, berichtet Leithner. Gerade in Europa werden seiner Einschätzung nach 2011 Kapitalmaßnahmen von Finanzinstitutionen "hoch relevant" sein.
Basel gibt den Startschuss: Hinsichtlich der Kapitalvorgaben des Baseler Ausschusses herrsche inzwischen Klarheit und quer durch Europa nähmen Banken das Thema jetzt in Angriff, argumentiert er. Zudem stehe in Europa eine ganze Reihe großer Bankrestrukturierungen noch aus, welche in großen Replatzierungen durch Regierungen, in Kapitalerhöhungen, aber auch in IPOs von Töchtern münden würden. Mit zunehmender Klarheit in Sachen Solvency II sollte auch die Versichererseite vermehrt aktiv werden, nicht unbedingt mit Kapitalerhöhungen, wohl aber mit Maßnahmen zur Änderung ihrer Kapitalstruktur. Wie im Markt erzählt wird, sind im Zuge von Replatzierungen allein durch ING gleich zwei Emissionen zu erwarten, deren Volumen jeweils rund 15 Mrd. Euro erreichen könnte.
Politisch "gut verankert": Nicht zuletzt setzt die Bank auch auf Mandate infolge der Schuldenkrise. "In den schwierigen Ländern wie Irland, für deren Regierung wir jetzt im Dezember tätig waren, oder in Griechenland kommen jetzt die Anschlussthemen und -fragen auf Seiten der Banken und Kunden", sagt Leithner.
Mit der Rekapitalisierung einiger griechischer Banken sei es nicht getan, heißt es im Markt. So stünden ganze Branchen, etwa der Healthcare-Sektor, vor der Frage, welche Konsequenzen die Probleme einzelner Staaten für ihr Geschäft nach sich ziehen könnten. Dabei will sich die Deutsche Bank als erster Ansprechpartner positionieren. In seiner Komplexität sei Europa für die Bank eine "einmalige Chance", sagt Leithner. Jedermann außerhalb Europas wolle wissen, was weiter mit Europa passiere, und mit demjenigen sprechen, der am kompetentesten sei. Leithner: "Und man weiß, dass wir verstehen, was in Europa passiert. Keine andere Bank arbeitet so eng mit den europäischen Institutionen zusammen oder ist politisch in Europa so gut verankert. Denn Deutschland ist der Motor Europas, im politischen und im wirtschaftlichen Sinne."
Akquise wird intensiviert: Im dritten und im vierten Quartal hat die Bank zudem damit begonnen, die Akquise bei den großen Unternehmen in den Emerging Markets nochmals zu intensivieren. In dem Maße, in dem die Zentralbanken die Kreditinstitute stärker beaufsichtigten und die Zinsen heraufsetzten, "in China, in Indien, aber auch in Indonesien, öffnet sich ein echtes Fenster für uns", sagt der direkt an Investment-Banking-Chef Anshu Jain berichtende Manager.
Asien bleibe für die Deutsche Bank sicher im Fokus, aber während jedermann auf Asien und China schaue, werde die Dynamik in Osteuropa und Russland, aber auch in der Türkei unterschätzt. Dort seien Märkte, in denen die Deutsche Bank "für ihre Zielkunden auch Kreditengagements" ausbauen wolle. Leithner glaubt, dass "diese Märkte stärker zurückkommen werden, als man dies jetzt glaubt".
PS - Deutsche Bank betreut Verkauf von AIG: Die US-Regierung will nicht länger die Holdinggesellschaft für die Finanzindustrie spielen. Deshalb sollen jetzt auch die Aktien des einst weltgrößten Versicherers AIG wieder in den Besitz privater Anleger übergehen. Den Milliardenverkauf betreuen mehrere Banken - darunter anscheinend auch der deutsche Marktführer. Die Auswahl der Deutschen Bank kommt etwas überraschend. Den Banken winkt ein Prestigedeal, um den sich viele balgen.
Basel III trifft vor allem Anleihe-Sparten - Morgan Stanley
Die Kapitalvorschriften von Basel III werden vor allem die Erträge bei den Anleihesparten der Investmentbanken beeinträchtigen, prognostizieren Analysten von Morgan Stanley.
Die Vorschriften zwingen laut einer Studie der Analysten unter Huw van Steenis die Banken, mehr Kapital für die Sparten für festverzinsliche Wertpapiere vorzuhalten.Nur die größten Banken wie beispielsweise die Deutsche Bank AG und Barclays Plc werden im Bereich Festverzinsliche Renditen erzielen können, die deutlich über ihren Kapitalkosten liegen, warnen die Analysten. Banken mit kleineren Sparten müssten demzufolge entweder die Sparten ausbauen oder sich aus dem Geschäft zurückziehen. “Banken mit sehr starken Aktien-Sparten werden Vorteile haben, da die Aktien ein attraktiveres Geschäft sind als festverzinsliche Papiere. Im neuen Rahmen werden nur sehr umsatzstarke Akteure mit hohem elektronischem Handelsvolumen und gutem Vertrieb florieren”, hieß es in der Studie.
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